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Deadlands Reloaded: The Last Sons $49.99 $19.99
Publisher: Pinnacle Entertainment
by Roger L. [Featured Reviewer] Date Added: 05/21/2014 04:48:08

Aufgepasst, Männer! Wir reiten ins Indianerland. Mit Last Sons habt ihr die Möglichkeit, den unheimlichen Westen aus Sicht der Indianer zu erleben. Entdeckt den großen Geistertanz, den Kult um Raven und werdet Teil eines Abenteuers, das den Westen für immer verändern wird. Bei den Rothäuten geht es rund, also passt auf euch auf, bevor es heißt: „Du kannst gehen – aber deine Kopfhaut bleibt hier!“

Inhalt

Das ist mal ein dickes Buch! Über 300 Seiten vollgepackt mit spannenden Informationen, Geschichten und Abenteuern für den unheimlichen Westen. Obwohl es sich in erster Linie um einen Kampagnenband handelt, existiert ein kleiner Spielerteil. In diesem wird im Stil einer Wild-West-Zeitung das aktuelle Geschehen nach dem Ende der The Flood–Kampagne beleuchtet und der Schauplatz der Last Sons–Kampagne vorgestellt.

Während sich zukünftige Mitglieder der Texas Ranger oder der Agency über neue Ausrüstung und Regeln zur Materialakquise (oder: „Wie komme ich an cooles Spielzeug?“) freuen dürfen, geht es für potentielle Rothäute richtig zur Sache: Welche Stämme gibt es im unheimlichen Westen und wo sind sie angesiedelt? Welche Sprachen werden gesprochen? Und vor allem: Wie funktioniert so ein Stammesgebilde überhaupt? Neben der Beantwortung dieser Fragen bietet dieser Kampagnenband noch eine Handvoll neuer Talente und Handicaps.

Einigen arkanen Hintergründen wird außerdem eine neue Kraft spendiert: Contact Spirit World –grob übersetzt „Mit der Geisterwelt Kontakt aufnehmen“. Diese besondere Kraft beginnt mit einer recht einfachen Beschwörung, wird aber gemeinsam mit dem Charakter mit jedem Charakterrang etwas mächtiger. Schließlich kann man sogar ein Tor in die Ewigen Jagdgründe öffnen. Obwohl diese Kraft vom Flair am ehesten zu indianischen Schamanen passt, haben zum Beispiel auch verrückte Wissenschaftler und Voodoo-Priester die Möglichkeit, diese Kraft zu erlernen.

Der bis hierher beschriebene Teil des Bandes ist übrigens bereits seit einiger Zeit als Freebie erhältlich und kann gratis von der Webseite von Pinnacle Entertainment heruntergeladen werden.

Dem Spielleiter, auch Marshal genannt, sind die verbliebenen Kapitel gewidmet. Der Einstieg ist eine Zusammenfassung der Geschehnisse um die namengebenden Last Sons und ihrem mysteriösen Anführer Raven. Anschließend werden die neuen Settingregeln vorgestellt, die zum einen die Atmosphäre des Settings verändern sollen, sich zum anderen aber auch mit neuen Elementen, wie zum Beispiel Telegraphen, den Ewigen Jagdgründen oder dem großen Geistertanz widmen. Auch Wetterregeln werden an dieser Stelle neu eingeführt. Anschließend folgt der Überblick für den Marshal, welche interessanten Orte und Städte sich im Kampagnengebiet befinden. Neben zahlreicher, kleinerer Städte und Plätze wird auch ein besonderes Augenmerk auf Deadwood, Dodge und Denver gelegt. Abschließend bietet dieses Kapitel noch einen Abenteuergenerator, der auf die Kampagnenregion ausgelegt ist.

Die Kampagne selbst erstreckt sich beinahe über ein Drittel des gesamten Buches und ist in insgesamt neun Teile unterteilt. Ein zusätzlicher, optionaler Epilog bringt die Kampagne damit auf zehn zusammenhängende Geschichten. Die meisten Plot Points sind nur lose miteinander verknüpft und es ist auch die ausdrückliche Empfehlung, zwischen diesen noch einige Savage Tales und eigene Abenteuer einzustreuen, da der Schwierigkeitsgrad der Kampagne gerade zum Ende hin drastisch ansteigt. Leider wird in keinem Plot Point ein empfohlener Charakterrang erwähnt, daher hat der Marshal auch keine Vergleichsgröße, zu welchem Zeitpunkt sein Aufgebot bereit für den nächsten Teil der Kampagne ist. Besonders ärgerlich, da die Kampagne einem Timing folgt, zu dem bestimmte Zeitpunkte bestimmte Ereignisse auslösen. Trödeln die Spieler, verpassen Sie möglicherweise wichtige Meilensteine und vermasseln damit die gesamte Kampagne. Die Versuchung für den Spielleiter, hier regelnd und mittels Railroading einzugreifen, ist daher entsprechend groß.

Ich möchte nicht zu viel über die Kampagne verraten, kann aber an dieser Stelle sagen, dass Veteranen der Classic–Reihe einige Plätze und Persönlichkeiten durchaus wiedererkennen werden. Da sich diese im Laufe der Jahre verändert haben, stehen aber gerade für Kenner der Reihe einige spannende Momente ins Haus. Die Kampagne treibt den Meta-Plot insbesondere auf indianischer Seite voran. Eine Gruppe aus Indianer hassenden Charakteren wird mit dieser Kampagne wahrscheinlich nicht viel Freude haben. Spieler, die sich darauf einlassen, erwartet aber eine sehr ausführliche und vor allem für neue Marshals geeignete Kampagne. Diese deckt vom klassischen Dungeon-Crawl über detektivische Einlagen zu epischen Schlachten so ziemlich alles ab, was eine erfolgreiche Kampagne ausmacht. Lediglich der Epilog verliert deutlich an Qualität und ist eher ein wirres Ende als ein würdiger Abschluss.

Zusätzlich zur Kampagne wartet der Settingband mit über 30 weiteren Savage Tales auf. Diese haben insgesamt eine gute Qualität, sind aber in Savage Tale–Manier mehr als Inspiration gedacht. Deadlands–typisch muss der Marshal hier also wieder selbst den beschriebenen Geschichten Leben einhauchen. Ein Kapitel über mögliche Begegnungen rundet den Band ab.

Preis-/Leistungsverhältnis

Als Print-Produkt ist der Preis von annähernd 40 EUR sicherlich gerechtfertigt. Für eine PDF ist der angesetzte Preis von 36 EUR definitiv zu hoch.

Seit der Reduzierung um 50% erhaltet ihr aber ein großartiges Produkt zum angemessenen Preis. Hochwertige Kampagnenbände haben es natürlich schwer, hohe Preise zu erzielen, erhält man doch mittlerweile akzeptable eigene Settings zum gleichen Preis.

Erscheinungsbild

Deadlands Last Sons CoverWie bei den meisten Deadlands Reloaded–Produkten sind die verwendeten Illustrationen eine Mischung aus alten Classic–Grafiken und neuen Reloaded–Bildern, die in sich auch nicht einheitlich sind.

Daher ist auch dieser Band mit einer Mischung aus knallbunten Actionszenen, stimmungsvollen Westernmotiven in gedeckten Farben und düster ausgestalteten Horrorbildern versehen. Einige der Bilder sind schlicht atemberaubend, andere kann man bestenfalls als „qualitativen Ausrutscher“ bezeichnen.

Insgesamt bewegt sich der Band aber auf erfreulich hohem Niveau. Auch textuell hält der Band, was die Optik verspricht, wobei sich dieses Mal einige Schreibfehler bzw. fehlende Worte am Lektorat vorbeigeschummelt haben. Die gewählten Kontraste gewährleisten eine gute Lesbarkeit, nur Überschriften von Unterkapiteln sind in einem merkwürdigen Font vor einem Holzhintergrund gedruckt. Die Lesbarkeit leidet hier unnötig und wirklich hübsch sieht es leider auch nicht aus.

Zur Unterstützung der Kampagne gibt es zahlreiche Umgebungskarten von Städten oder Orten, an denen es wahrscheinlich zu Konflikten kommen wird. Insbesondere der Dungeon Crawl-Teil ist vollständig mit Kartenmaterial illustriert. Als Spielhilfe sind die Illustrationen sehr wertvoll und in guter Qualität vorhanden.

Zusammenfassend hat Pinnacle hier wieder einen soliden Band abgeliefert, der sich nur wenige Schwächen erlaubt.

Fazit

Wow, ist das ein Wälzer! Im Zeitalter von PDF-Dateien spielt die Seitenanzahl dankenswerterweise keine große Rolle mehr, denn Speicherplatz ist billig und hundert Seiten hin oder her trüben den Lesegenuss auch nicht mehr durch ein höheres Gewicht. Ich finde diesen Kampagnenband außerordentlich gelungen. Zum Thema passende und das Setting sinnvoll erweiternde Regeln (die noch dazu kostenfrei zur Verfügung stehen!), eine großartige Kampagne, die spannend, nicht zu geradlinig und vor allem ohne Spielerzutun immer weiter eskaliert und drei Dutzend neue Savage Tales – eine großartige Mischung. Der feste Zeitraum der Kampagne, sowie die fehlende Angabe des Charakterrangs trüben die Euphorie ein wenig.

Der bunte Illustrationsmix stört manchmal den guten Eindruck und über die schlecht lesbaren Unterüberschriften habe ich mich richtig geärgert. Insgesamt hält aber auch dieser Band ein qualitatives Niveau, das andere Rollenspielprodukte erst einmal erreichen müssen.

Preislich bewegt sich der Kampagnenband im oberen Niveau. Ob man wirklich so viel Geld dafür ausgeben sollte, bleibt natürlich jedem selbst überlassen. Empfehlenswert ist dieser Band auf jeden Fall für neue Marshals, da die Kampagne wirklich gut ausformuliert ist.

Erfahrene Marshals und Spieler freuen sich über eine spannende Kampagne, in der viele bekannte Persönlichkeiten und Orte wieder aufgegriffen werden. Man sollte sich vorher überlegen, ob man eine Kampagne mit deutlich indianischem Einschlag spielen möchte. Fehlt das Interesse daran, ist man mit dem Gratis-Teil zum Thema „Ausrüstung für Geheimagenten“ besser beraten.



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[4 of 5 Stars!]
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